Interview mit Dr. med. Hildegard Schneider-Nutz und Dr. med. Kamal Salem

Was genau ist Aromapraxis?

 

Die Begriffe Aromatherapie und Aromapraxis werden oft synonym gebraucht. Wir vom FAP sprechen von Aromapraxis, wenn geprüfte Aromapraktikerinnen zur Prävention und zur Aktivierung von seelischen und körperlichen Ressourcen beraten. Mit der Aromapraxis wollen wir also vor das Geschehen kommen, bevor ein Mangel überhaupt Krankheitswert bekommt. Die eigentliche Therapie ist Ärzten oder Heilpraktikern vorbehalten. Auch im klinischen Bereich, dort vor allem in der Pflege, ist der Begriff Aromatherapie etabliert. Beide Begriffe sind aber nicht geschützt. 

 

 

Wie lässt sich die Wirkung von ätherischen Ölen erklären?

 

Ätherische Öle enthalten pflanzliche Bestandteile, die durch Destillation gewonnen werden und die 50-70 mal stärker sind als die Pflanzenbestandteile selbst. Ätherische Öle enthalten organische Verbindungen, die für Duft und Wirkung stehen. Eigentlich hat jeder Inhaltsstoff eine spezifische Wirkung, wobei chemische Bestandteile zugrunde liegen. Ätherische Öle wirken aber wir eine Komposition, also nicht durch die einzelnen Inhaltsstoffe, sondern durch das Zusammenwirken aller Inhaltsstoffe. Das erklärt auch, warum ätherische Öle nicht nur eine, sondern eine Vielzahl von Wirkungen haben.

 

 

Wo kommen ätherische Öle in der Arztpraxis zum Einsatz?

 

In der Arztpraxis können ätherische Öle vielfältig eingesetzt werden. Im Grunde genommen gibt es mit der Aromatherapie eine „eigenständige“ Medizin. Ob Verdauungsprobleme, hormonelle Balancierung, Schmerzen, psychische und emotionale Probleme, Immunstärkung, all das sind nur Beispiele für Einsatzmöglichkeiten. Ätherische Öle können Medikamente ergänzen oder ersetzen, und Patienten reagieren oft sehr positiv und zustimmend, auf diese wunderbaren natürlichen Heilmittel.

 

 

Gibt es wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit von Aromatherapie?

  

Nicht nur die zugrundeliegende organische Chemie ist ein klarer wissenschaftlicher Ansatz. Zahlreiche Studien existieren auf PUBMed (internationale medizinische Studiensammlung) zu verschiedensten Ölen und Erkrankungen. Es gibt eine ausgiebige Wissenschaft zur Aromatherapie, unzählige Lehrbücher und sogar einen Lehrstuhl „Riechforschung“ von Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt an der Ruhr-Universität Bochum. 

Aber auch in der Laborbestimmung zeigen sog. Aromatogramme die Wirksamkeit gegen z.B. Keime. Da im Gegensatz zu Antibiotika, ätherische Öle keine Resistenzen entwickeln, sind diese oft sogar vorteilhaft.

 

 

Worin unterscheidet sich die Aromatherapie von beispielsweise der Homöopathie?

 

Homöopathie arbeitet mit dem „Gedächtnis und den Informationen“ der Substanzen in verschiedenen Potenzen, wogegen die unzähligen, chemischen Bestandteile der Pflanzen in der Aromatherapie eine direkte und unmittelbare Wirkung auf der Zellebene entfalten können.

 

  

Lässt sich Aromatherapie mit der Schulmedizin vereinbaren?

 

Auf jeden Fall, das steht außer Frage. Ätherische Öle können die Medikamentenwirkung verstärken und unterstützen, manchmal sogar ersetzen. 

Aber auch die emotional unterstützende Wirkung bei Erkrankungen ist für Patienten nicht zu unterschätzen. Der ganzheitliche Ansatz ist der oftmals einzig logische Weg der Behandlung.

Ätherische Öle wirken auf mehrere Wege im Körper. Es gibt immer eine körperliche und eine emotionale Wirkung.

 

 

Wie kann es sein,  dass ätherische Öle auf der körperlichen und seelischen Ebene gleichermaßen wirken?

  

Die Trennung von Körper und Seele ist in den meisten traditionellen Medizinrichtungen überholt. Die Neuropsychoimmunologie ist ein gutes Beispiel für eine wissenschaftliche ganzheitliche Herangehensweise. Abgesehen davon wirken ätherische Öle sowohl auf Zellebene wie auch im Limbischen System, dem Teil des Gehirns, wo Emotionen, Schmerzen und Erfahrungen gespeichert sind.

 

 

Wie sicher sind ätherische Öle in der Handhabung?

  

Ätherische haben grundsätzlich viele Wirkungen, meist keine Nebenwirkungen. Anders ist das bei Medikamenten, da ist es eher umgekehrt. Trotzdem gehören ätherische Öle in sachkundige und ausgebildete Hände, um das ganze Spektrum der Einsatzmöglichkeiten ausschöpfen zu können. (Aromatisch, topisch und oral). Auch die Pflanzenkunde spielt eine große Rolle, weil es ja auch giftige Pflanzen gibt.

 

 

Fühlen sich Frauen und Männer von Aromatherapie gleichermaßen angesprochen?

 

Frauen sind traditionell in der Rolle der Gesundheits- und Familienfürsorge, auch fühlen sich Frauen oftmals mehr von Düften angesprochen. So kann man sagen, dass die Männer noch ein bisschen aufzuholen haben, weil sie doch noch etwas hinterherhinken. Und trotzdem ist man manchmal erstaunt über die Begeisterungsfähigkeit von so manchem Mann, der mit ätherischen Ölen in Kontakt kommt.

 

 

Ätherische Öle gibt es mittlerweile fast überall zu kaufen. Worauf sollte man beim Kauf achten?

 

Ätherische Öle werden überall zu verschiedenen Preisen angeboten.

Die Qualität der Öle ist aber in der Aromapraxis und Aromatherapie entscheidend.

Wir als Ärzte müssen sicherstellen können, dass die Öle 100% rein sind, frei von Pestiziden und jeglichen, auch synthetischen Zusätzen.

 

 

Sie haben gemeinsam mit anderen den Fachverband Aromapraxis gegründet. Wozu braucht es einen solchen Verband?

 

Der Verband soll dazu dienen, das Niveau einer standardisierten Ausbildung von Aromapraktikern zu fördern und sicherzustellen. Es existieren gute Ansätze von Ausbildung, unsere Vision ist aber ein gewisser Standard, der dann auch zertifiziert werden kann. Das gibt Sicherheit für die Aromapraktiker und die Kunden gleichermaßen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist darüber hinaus eine große und sehr erfüllende Herausforderung.

Der Bedarf und die Nachfrage an natürlichen Heilmitteln und Aromatherapie wächst stetig, diesem Umstand muss Rechnung getragen werden. 

 

 

Was antworten Sie Skeptikern, die den Nutzen von Aromatherapie anzweifeln?

 

Probieren geht über studieren… wer einmal die exzellente Wirkung von ätherischen Ölen erfahren hat, wird diese sicher nicht mehr missen wollen. Aber auch der Hinweis auf die chemischen Bestandteile der Öle bringt manchen Skeptiker zum Schweigen.